Bekommt der "Neckargarten" vis-à-vis vom Edinger Schlösschen wieder ein schmiedeeisernes Portal als Besuchereingang? Seit über 100 Jahren stehen die beiden Parktore der einstigen Barock-Anlage am ehemals von Oberndorffschen Schloss in Neckarhausen. Jetzt aber wurde dem Förderverein Edinger Schlösschen eine nahezu exakte Nachbildung geschenkt. Die Gönnerin ist Helgert Spieß, Tochter des dieses Jahr gestorbenen Friedrich Herold, der das Tor 1989 in unglaublicher Fleißarbeit für seinen Privatgarten gebaut hatte.
Bald drei Jahrzehnte prangt das mit Blattwerk und anderen Zierornamenten geschmückte Portal auf dem Rasen neben dem Heroldschen Haus an der Ecke Grenzhöfer Straße und Auf der Höhe. Ungezählte Passanten werden sich schon gefragt haben, was es mit diesem Prunktor bei einem zwar sehr schmucken, aber doch recht kleinen und bescheidenen Domizil auf sich hat.
Wer freilich einen Blick auf die zahlreichen anderen schmiedeeisernen Arbeiten auf dem Anwesen wirft, der ahnt, dass hier ein leidenschaftlicher Handwerker über lange Zeit sein Können gepflegt hat. Der Zaun, die Tür- und Fenstergitter, mehrarmige große Laternen, alles ist in klassischem Schwarz gehalten, mit goldglänzenden Verzierungen. So auch das Portal, plus kleinem badischen Wappen, womit Herold sein "Meisterstück" noch auffälliger gestaltete, als es die einfarbigen Vorbilder in Neckarhausen sind. Wobei das Tor vor dem Freizeitbad bei der Renovierung in einem Grauton gehalten wurde, sein Zwilling an der Speyerer Straße wenige Jahre später dagegen in Schwarz.
Wie kam Herold dazu, ein drittes Tor zu bauen? Der Bruder von Altbürgermeister und Ehrenbürger Werner Herold arbeitete als gelernter Dreher fast 40 Jahre lang bei Bilfinger und Berger, als seine Frau Eleonore vor rund 30 Jahren nach einer Augenerkrankung nebst Operation erblindete. Um ihr dieses bittere Schicksal zu erleichtern und für sie da sein zu können, ging Herold früher als vorgesehen in Pension. Doch ganz ohne handwerkliche Tätigkeit konnte der damals 60-Jährige nicht sein. Den Hausgarten hielt er ohnehin immer tip top, und den Werkstoff Metall liebte er vom Beruf her. So pflegte Herold in seiner Werkstatt sein kunstvolles Schmiede-Hobby.
Die Idee mit der Parktor-Replica muss ihm gekommen sein, als er vom befreundeten Gipsermeister und Gemeinderat Georg Baumann gefragt wurde, ob er an einem der Neckarhäuser Tore Reparaturen vornehmen könne. Hierfür kam das Tor, wie sich Tochter Helgert erinnert, in den Gemeinde-Bauhof. Und dort habe ihr Vater wohl auch das Schmuckportal mit seiner Höhe von rund vier Metern und Gesamtbreite von etwa 2,5 Metern geschweißt. Hinzu kommen die beiden Agaven-bekrönten Metallpfosten; die Original-Tore hängen an Sandsteinpfeilern.
Welch eine Aufgabe sich Herold hier gestellt hatte, setzte er schließlich am Werkstück selbst in kleinen Eisen-Lettern zwischen die Umrahmung: "Der Anfang war schwer, doch schwerer das Ende".
Im Juni starb Friedrich Herold einige Jahre nach seiner Ehefrau mit 90 Jahren. Seine Enkelin zieht mit ihrem Mann und dem vierjährigen Söhnchen Jonas in das Haus. Einiges soll umgestaltet werden, und so will sich die Familie auch von dem imposanten Tor trennen. Über einen Bekannten erfuhr Helgert Herolds Cousin Hans Stahl davon. Er ist Vorsitzender des Schlösschen-Fördervereins. Und so war die Idee zur künftigen Verwendung als Portal für den "Neckargarten" da.
Freilich bedarf es der Zustimmung der Familie, die den von der Gemeinde nur gepachteten Park besitzt. Auch Bürgermeister und Gemeinderat werden die Idee erst noch erörtern. Die frühere Stelle der Tore wird nicht in Frage kommen, da sind heute die Einfahrten in die beiden Wohnanlagen. Auch die Zugänge vom TVE-Gelände her eignen sich weniger. Sie wurden extra breit geschaffen, für Fahrzeuge von Bauhof und Baumpflegefirmen.
Ideal wäre wohl der reine Fußgänger-Durchgang zur Hauptstraße. Diesen flankieren schon Steinpfeiler; einen müsste man etwas versetzen, ein Stück Mauer heraus nehmen. Die Lage wäre vergleichbar mit jener des Schlosspark-Tors an der Speyerer Straße.
Übrigens haben keineswegs, wie es manchmal in Edingen heißt, "die Neckarhäuser uns die Tore gestohlen". Vielmehr waren beide Anwesen seit Ende des 18. Jahrhunderts im von Oberndorffschen Besitz. Im Zuge des großen Schlossumbaus 1911 ließ Graf Franz Albert von Oberndorff seine Pracht-Portale von Edingen, wo sie für den Großbetrieb der Aktienbrauerei wohl kaum mehr gebraucht wurden, zum Stammsitz nach Neckarhausen versetzen.